
Risiko und Rendite am Kapitalmarkt
Risiko und Rendite am Kapitalmarkt: Was Unternehmer vom UPS-Millionär Theodore Johnson lernen können
Als Unternehmer jonglierst du täglich mit Chancen und Risiken: neue Mitarbeiter, Investitionen, Preise, Verhandlungen. Beim eigenen Vermögensaufbau sieht es aber oft ganz anders aus: „Zu wenig Zeit“, „Zu riskant“, „Ich kenne mich da nicht aus“. Gleichzeitig lässt du jedes Jahr still und leise Kaufkraft auf dem Konto verbrennen.
In diesem Deep Dive schauen wir uns an, wie Risiko und Rendite am Kapitalmarkt wirklich zusammenspielen, warum Geduld dein größter Hebel ist – und was du von einem ganz normalen UPS Angestellten lernen kannst, der mit einem Durchschnittsgehalt ein Vermögen von rund 70 Millionen Dollar aufgebaut hat. Außerdem zeige ich dir, wie das Renditedreieck des S&P 500 dir hilft, die Angst vor „falschem Timing“ zu verlieren.
1. Die Geschichte von Theodore Johnson – 14.000 Dollar Gehalt, 70 Millionen Vermögen
Theodore R. Johnson arbeitete bei UPS – kein Vorstand, kein Star-Investor, sondern ein Angestellter, der sich hochgearbeitet hat. Er verdiente nie mehr als rund 14.000 Dollar im Jahr (in heutigem Geld etwa das Zehnfache), also solides, aber kein Spitzengehalt. Trotzdem war er im Alter rund 70 Millionen Dollar schwer.
Der Wendepunkt war ein Freund, der ihm früh klargemacht hat: „Behandle Sparen wie eine Steuer. Wenn der Staat dir 20 % wegnimmt, jammerst du – aber du arrangierst dich. Mach das Gleiche mit deinem zukünftigen Ich.“ Johnson richtete daraufhin ein System ein: 20 % seines Einkommens wurden automatisch in UPS-Aktien investiert. Kein Market-Timing, kein Trading, einfach stumpf und konsequent - über Jahrzehnte.
Als er 1952 mit etwa 52 Jahren in Rente ging, hatte er bereits rund 700.000 Dollar in UPS-Aktien angespart. Er ließ das Geld weiter für sich arbeiten, reinvestierte Dividenden – und über die nächsten Jahrzehnte wurde daraus ein Vermögen von etwa 70 Millionen Dollar. Einen großen Teil davon spendete er später über die Johnson Scholarship Foundation für Bildungszwecke.
Was steckt dahinter? Er hat früh angefangen. Er hat konsequent einen festen Prozentsatz zurückgelegt. Er hat automatisiert und sich selbst ausgetrickst. Er hat die Zeit und den Zinseszinseffekt für sich arbeiten lassen.
Die wichtigste Botschaft: Es war nicht das hohe Gehalt, das ihn reich gemacht hat – sondern Verhalten, System und Geduld.
Frage an dich: Wenn du dein heutiges Einkommen betrachtest – wie würde dein „Zukunfts-Ich“ deine Sparquote bewerten: als mutig, als zu dünn oder als völlig egal?
2. Risiko vs. Rendite: Was das Renditedreieck wirklich zeigt
Viele Unternehmer empfinden die Börse als „Zockerei“ – dabei ist das eigentliche Problem oft der
Zeithorizont. Das S&P-500-Renditedreieck macht das sehr anschaulich: Es zeigt für jeden möglichen Kauf- und Verkaufszeitpunkt, welche durchschnittliche Jahresrendite du in diesem Zeitraum erzielt hättest. Auf einer Achse das Kaufjahr, auf der anderen das Verkaufsjahr – in der Mitte steht jeweils die durchschnittliche Rendite pro Jahr. Historisch hat der S&P 500 – also die 500 größten US-Unternehmen – je nach Betrachtungszeitraum im Schnitt etwa 9–11 % Rendite pro Jahr erzielt, vor Inflation. Real, also inflationsbereinigt, landen wir bei 6–7 %.
Hier ein Link unter dem man sich ein solches Renditedreieck ansehen kann. Hier ist auch eine kurze Erläuterung zu finden, wie man das Dreieck lesen muss: https://www.boerse.de/renditedreieck/SundP-500/US78378X1072
Ein solches Renditedreieck gibt es auch über die letzten 100 Jahre, so lange gibt es den S&P 500 als Index nämlich schon. Was zeigt das Renditedreieck, übrigens egal ob wir uns die letzten 20 oder 100 Jahre ansehen, die Muster sind immer die gleichen? Mehr grün als rot: Es gibt viel mehr Jahre in denen die Kurse steigen als fallen. Ist man ein paar Jahre investiert, kommt man nicht mehr ins Mius: Wenn man ein paar Jahre mit satten Gewinnen mitgenommen hat, dann gibt man zwar in Verlustjahren Buchgewinne wieder ab, aber eigenes Geld verliert man nicht.
Es gibt Verlustphasen, die historisch ein paar wenige Jahre betragen: Selbst wenn man sofort vor einem Crash einsteigt, dauern die Verlustphasen historisch betrachtet wenige Jahre. In der Weltwirtschaftskreise 1929 über 10 Jahre.
Zielrendite etwa 10%: Um so länger man investiert ist, um so näher kommt man an eine annualisierte Rendite von etwa 10% pro Jahr.
Damit wird klar: Die Börse ist nicht das Problem – unser Zeitraum und unser Verhalten sind es. Und was wäre möglich, wenn man also coole Socke sogar noch nachkaufen würde, wenn es mal Aktien mit einem Rabatt gibt?
3. Mythen über Börse & Aktien: Was Unternehmer sich oft selbst erzählen
Rund um Kapitalmarkt-Investments höre ich von Unternehmern immer wieder dieselben Sätze:
„Ich habe keine Zeit, mich um die Börse zu kümmern.“
„Ich kenne mich nicht gut genug aus.“
„Ich will mein hart verdientes Geld nicht verzocken.“
Drei Klarstellungen:
Breit gestreute ETFs statt Zockerei
Niemand zwingt dich, Einzeltitel zu wählen. Ein ETF auf den S&P 500 oder den Weltmarkt verteilt dein Geld automatisch auf Hunderte Unternehmen. Damit gehst du eher das Risiko ein, den Kapitalmarkt nicht zu nutzen, als dass du „zockst“.
Du brauchst kein Börsenprofi zu sein.
Johnson wusste auch nicht jede Bilanz auswendig. Sein „Geheimnis“ war ein System, kein Genieschach: fester Sparsatz, Automatisierung, Jahrzehnte Zeit.
Das größte Risiko sitzt vor dem Bildschirm. Historisch kommt die Rendite, wenn man drin bleibt – nicht, wenn man nervös rein und raus springt. Der schlimmste Feind sind Panikverkäufe im Crash und der Versuch, „oben“ und „unten" perfekt zu treffen.
Frage an dich: Welcher Glaubenssatz hält dich aktuell konkret davon ab, einen klaren Plan für dein Investmentdepot aufzusetzen?
4. Vom Unternehmer zum Investor: Ein einfaches System statt Finanz-Zirkus
Lass uns das Ganze auf dein Unternehmerleben runterbrechen. Du brauchst keinen Finanzzirkus, sondern ein schlankes System, das ohne dich weiterläuft.
Schritt 1: Definiere deine persönliche „Freiheitssteuer“. Statt „Ich spare, was übrig bleibt“ drehst du es um: Du entscheidest, welcher Prozentsatz deiner Privatentnahmen oder deines Gehaltes automatisch in deinen Vermögensaufbau fließt – z.B. 10–20 %. So wie bei Johnson: Das Geld ist weg, bevor du es siehst.
Schritt 2: Automatisiere Sparplan-ETFs. Einfaches Basis-Setup: günstiges Depot bei einer Onlinebank wie ING-DiBa oder comdirect. 1–3 kostengünstige, breit streuende ETFs (z.B. Welt- oder S&P-500-ETFs). monatlicher oder vierteljährlicher Sparplan, meist kostenlos.
„Vergiss es“-Modus: nicht dauernd ins Depot starren
Rechenbeispiel:
500 € pro Monat, 30 Jahre, mit 8 % durchschnittlicher Rendite p.a. (realistisch für breit gestreute Aktienmärkte über lange Zeiträume) werden durch Zinseszins zu rund 710.000 €. (Ohne eine einzige Sonderzahlung.) Hier der Link zur Berechnung: https://www.zinsen-berechnen.de/sparrechner.php?paramid=lk2q8ivxf4
Schritt 3: Vermögensaufbau für deine Kinder starten
Für Kinder bieten viele Broker spezielle Depots („Junior-Depots“). Wenn du z.B. 100 € monatlich ab Geburt investierst und bis zum 25. Lebensjahr laufen lässt, entsteht – bei ähnlicher Rendite – ein sechsstelliger Betrag. Das ist eine andere Liga als ein klassisches Sparbuch.
